Länge: 3.462 Wörter
Genre: One Shot, Drama, Angst
Serie: Fairy Tail
Schon wieder eine neue Geschichte? Ganz richtig! Und wo ich gestern noch meinte, dass ich nichts mehr zu NaLu schreibe, gibt es in dieser Geschichte dann doch ein wenig dazu. Ich bezweifle nur, dass es irgendjemanden freuen wird...
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| Coloration von Natsu9555 |
Diese Geschichte ist ein Geschenk an Rave, die in der Mitmach-Aktion zu ihrer wunderbaren und unsagbar traurigen Geschichte "Magie kann ein Fluch" sein dazu aufgerufen hat, die eigenen Ideen zur Geschichte in Worte zu fassen. Diese Idee hier kam mir sofort, nachdem ich ihre Geschichte gelesen hatte, also konnte ich nicht anders, als sie zu tippen.
Achtung! Ihr werdet diese Geschichte hier nur richtig verstehen können, wenn ihr vorher Raves Geschichte gelesen habt. Außerdem sind harte Nerven erforderlich, denn fröhlich geht es hier nicht gerade zu. Taschentücher findet ihr im Anhang!
Der Kontinent Fiore.
Wir schreiben das Jahr X403.
Es ist eine friedliche Zeit. Die
Menschen leben in einfachen Verhältnissen, einige wenige von ihnen
haben die Gabe der Magie in die Wiege gelegt bekommen und nutzen
diese Kraft, um anderen zu helfen. Die Welt hat schon viele Kriege
gesehen, einige davon schlimmer als andere, manche so verheerend,
dass die Welt unterzugehen schien... doch sie hat überlebt.
Inmitten dieser friedlichen Zeit
beginnt sich etwas zu regen, das lange Zeit geschlummert hat...
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Lucy öffnete langsam die Augen. Ihre
Lider fühlten sich unsagbar schwer an, so schwer, als würde sie aus
einem ewigen Schlaf erwachen. Sie brauchte eine gefühlte
Unendlichkeit, bis ihre Augen offen waren, und dann noch eine weitere
Unendlichkeit, bis sie sich an das Licht gewöhnt hatte und aufhören
konnte zu blinzeln.
Licht?
Wo war sie, dass das Licht so hell auf
sie herab schien? War sie etwa mitten in der Wildnis eingeschlafen?
Vielleicht war sie mit Natsu auf einer Mission und sie hatten wieder
einmal vergessen, Geld für eine Pension mitzunehmen...
Natsu?
Wenn er bei ihr wäre, dann hätte sie
ihn sicher schon gehört. Wenn er wach war, dann war sein Lärm kaum
zu überhören. Und wenn er schlief, dann konnten andere bei seinem
Schnarchen kaum ein Auge zu tun. Aber irgendwie hatte sie sich ja
doch daran gewöhnt und inzwischen musste sie zugeben, dass es ihr
sogar ein wenig niedlich vorkam, wie Natsu alle Viere von sich
streckte und erst leise, dann immer lauter zu schnarchen begann...
Ein heller
Blitz.
Lautes Grollen,
lauter als alles, was Lucy je gehört hatte.
Dann eine
riesige Feuersbrunst, die alles zu verschlucken drohte. Lucy hatte
nach ihren Schlüsseln gegriffen, aber ihre zittrigen Hände,
vollkommen von der Angst übermannt, hatten sie fallen gelassen.
Natsu drehte
sich zu ihr um, sah sie mit einem Blick an, den Lucy bei ihm noch nie
gesehen hatte. Angst. Furcht sogar. Entsetzen. Trauer. Reue...?
Als Lucy endlich ihre Augen geöffnet
und sich an das Licht gewöhnt hatte, wurde ihr erst klar, dass sie
nicht auf einer Wiese oder in einem Wald eingeschlafen war. Sie
merkte, dass sie eingeengt war, konnte sich kaum bewegen, nicht
einmal den Kopf drehen. Wo war sie? Es drang Licht zu ihr hindurch,
aber es war gefiltert, wie der Blick, den man hatte, wenn man unter
Wasser war und zur Sonne hinauf blickte...
„Ich will hier raus...“, murmelte
sie leise und begann, sich wild hin und her zu drehen. Mit jeder
Sekunde, die sie nicht frei kam, wurde sie panischer, drehte sich
heftiger.
„Ich will hier raus! Ich will hier
raus! Ich. Will. Hier. RAUS!!“ Die letzten Worte schrie sie,
hämmerte mit jedem Wort gegen das, was sie einengte. Sie hörte ein
Knacken, dann ein Brechen, zum Schluss ein Splittern – und war
frei.
Sand rieselte auf sie hinab, vermischt
mit Splittern... Glassplitter? Nein, das war kein Glas, es fühlte
sich irgendwie anders an... Kristall? Aber warum war sie denn von
einer Schicht aus Sand und Kristall bedeckt?
Ein gleißendes
Licht durchbrach die glühende Luft der immer näher kommenden
Feuersbrunst. Ein warmes Licht, hell und klar wie das der Sterne,
aber doch... es war kein Anblick, der Lucy Freude bereitete.
Ihre Schlüssel
hatten sich von alleine bewegt, die Geister in ihnen handelten auf
eigene Faust. Die Schlüssel schwebten nun vor ihr in der Luft,
bildeten einen Ring, von dem dieses Licht ausging.
Lucys Blick
wanderte zu Natsu.
Dieser hatte
seinen Blick die ganze Zeit nicht von ihr abgewandt.
Er lächelte
sanft... warum lächelte er bloß?
Langsam und mit wackligen Beinen stand
Lucy auf. Erst jetzt merkte sie, dass der Kristall nicht nur über
ihr war, sondern sie komplett eingehüllt hatte. Es sah beinahe aus
wie ein Sarg... sie schüttelte sich bei dieser Vorstellung und schob
den Gedanken in ihrem Kopf in eine dunkle Ecke. Der Gedanke, dass man
sie lebendig begraben hatte, eingeschlossen unter Kristall und Sand,
war keine Vorstellung, mit der sie in den Tag starten wollte.
„Natsu? Happy? Wo seid ihr?“
Sie rief unwillkürlich die Namen ihrer
Teamkameraden, auch wenn sie sich nicht daran erinnern konnte, ob sie
vor dem Einschlafen mit ihnen zusammen gewesen war. Einschlafen...
warum hatte sie überhaupt geschlafen? Und wie tief musste sie
geschlafen haben, damit jemand sie in diesen Sa... in diesen Kristall
stecken konnte?
„Ich schwöre dir, Natsu, wenn das
wieder einer deiner dummen Scherze ist...“
In Gedanken malte sie sich schon aus,
wie Natsu hinter einer Ecke hockte, versteckt hinter einem Hügel und
er und Happy sich gegenseitig die Münder zuhielten, damit sie nicht
vor Lachen losprusteten und ihr Versteck verrieten. Bestimmt hatte
Natsu sich diesen Streich ausgedacht, weil Lucy ihm einmal erzählt
hatte, wie gern ihr das Märchen von der Prinzessin gefiel, die von
ihren sieben treuen Freunden in einen gläsernen Sarg gelegt wurde
und die dann vom Prinzen wach geküsst wurde...
„So romantisch!“, das hatte sie
damals euphorisch gesagt und dafür von Natsu nur einen
verständnislosen Blick geerntet.
„Romantisch? Was ist denn bitte
romantisch daran, wenn du vergiftet wirst und man dich in einen Sarg
legt, in dem dir alle beim Verroten zugucken können?“
Lucy hatte ihn wütend angesehen,
geschnaubt und ihm mit dem Märchenbuch einen Klaps auf den
Hinterkopf gegeben. „Man, Natsu! Du kannst einem aber auch alles
kaputt machen!“
Als niemand antwortete, ging Lucy ein
paar Schritte. Ihre Beine hatten wieder verstanden, dass sie sie
tragen sollten, also war ihr Gang schon etwas sicherer. Der sandige
Untergrund half allerdings nicht gerade dabei, ihr einen besonders
festen Halt zu geben.
„Erza? Gray? Irgendjemand?“
Stille.
Keiner antwortete ihr. Aber wie sollten
sie auch? Um sie herum war nichts außer Sand, Dünen und sengender
Hitze...
Aber halt! Da war noch etwas! Ein paar
dutzend Meter entfernt konnte Lucy ein eingefallenes Gebäude
erkennen! Es war mehr eine Ruine als alles andere, aber sie konnte
die Umrisse noch gut wahrnehmen. Erst langsam, dann immer schneller
rannte sie auf das Gebäude zu, in der Hoffnung, dort einen ihrer
Freunde zu treffen. Sie konnte hier doch nicht allein sein!
Als sie die Ruine erreicht hatte,
stellte sich allerdings Ernüchterung ein. Keiner ihrer Freunde, kein
anderer Mensch, nicht einmal ein Tier war hier. Nur diese Ruine und
ein paar Steine, die aus dem Sand emporragten...
Steine?
Das waren keine natürlichen
Steinformationen, dafür waren sie viel zu ordentlich... Lucy
überbrückte mit ein paar schnellen Schritten die Distanz zwischen
der Ruine und der ersten Reihe Steine... und zuckte zusammen.
„Jet... Droy...“, las sie die Namen
auf den Steinen vor. „Und... Levy...“ Es war nicht einfach, die
Namen zu erkennen, sie waren nicht mit besonderer Handwerkskunst
eingemeißelt worden und der Sand und die Hitze hatten ihr Übriges
getan, um die Lesbarkeit zu erschweren... aber besonders den dritten
Namen erkannte sie sofort. Er war so tief und so deutlich in den
Stein gehauen worden, als hätte derjenige, der die Steine hier
aufgestellt hatte, sicherstellen wollen, dass er für alle Ewigkeit
lesbar war.
Lucys Beine trugen sie weiter, alle
Steinreihen entlang. Sie wusste nicht, warum sie das tat, aber ihr
Körper handelte wie von selbst. Sie ging vorbei an den Steinen und
bemerkte dabei gar nicht das Skellet, dessen Kopf aus dem Sand empor
ragte und sie fast schon anzusehen schien. Und mit jedem Namen, den
sie auf den Steinen las, jedem Namen, den sie nicht lesen, aber in
ihrem Herzen dennoch fühlen konnte, wurde die Gewissheit größer,
wurde der Gedanke stärker, den ihr Kopf schon nach den ersten drei
Namen gebildet hatte...
Das
Licht der Schlüssel hüllte Lucy komplett ein. Sie konnte ihre Augen
kaum offen halten, so sehr wurde sie geblendet. Das letzte, was sie
sehen konnte, bevor das Licht sie komplett eingeschlossen hatte, war
er...
Natsu.
Er
lächelte immer noch, wandte nun aber den Kopf ab. Senkte ihn zu
Boden. Ergab sich seinem Schicksal.
Dann
wurde es erst unerträglich hell.
Und
dann für lange Zeit unendlich dunkel.
Lucy hätte aufhören sollen. Sie hätte
es einfach dabei belassen sollen, sie wusste doch längst, was das zu
bedeuten hatte. Sie war nicht dumm, inzwischen hatte sie Eins und
Eins zusammenzählen und sich ihre Schlüsse ziehen können...
Aber sie konnte nicht ruhen.
Nicht... bis sie sie ihn nicht gefunden
hatte.
Und hier war er nun. Der Stein, den sie
gesucht hatte. Der Stein, den sie am liebsten nie gefunden hätte.
Nicht hier, nicht irgendwie, nicht in jedem Leben, das ihr geschenkt
worden wäre.
Natsu.
Und unter seinem Namen stand ihr
eigener, so wie der von Makarov. Sie waren die einzigen, die sich
einen Stein teilen mussten. Ob das zu bedeuten hatte, dass die
anderen beiden auch noch am Leben waren, genau wie sie? Oder...
oder...
Lucy konnte keinen klaren Gedanken
fassen. Sie brach zusammen, genau hier, genau vor diesem Stein, der
ihren Tod bestätigte. Aber sie war nicht tot. Sie war noch hier. Sie
war am Leben. Und doch wäre sie es lieber nicht.
Die Tränen flossen unaufhörlich, wie
ein Gletscherfluss im Frühling, nur all seiner Schönheit und
Reinheit beraubt. Sie weinte nicht schön. Sie weinte keine reinen
Tränen. Sie spülte all ihre Emotionen heraus, alles, was sie
fühlte, allen Schmerz, der sich in ihr ausbreitete, sie zu
vereinnahmen drohte... und es dieses Mal auch schaffen würde.
Sie hatte schon so viel durchgemacht...
hatte ihre Mutter verloren, dann ihren Vater, hatte einige ihrer
Freunde gehen lassen müssen, hatte sogar ihr eigenes, zukünftiges
Ich in ihren Armen sterben sehen...
Aber sie war nie allein gewesen. Sie
hatte immer jemanden gehabt, der zu ihr stand. Immer jemanden, der an
ihrer Seite war.
Die Diener des Hauses.
Die Gilde.
Natsu.
Natsu...
„NATSU!!“ Ihr Schrei war heiser,
die Tränen und die Trauer hatten ihr bereits die Stimme geraubt. Und
doch war der Schrei so laut, dass er nicht zu überhören war, dass
er alles verstummen ließ, in dieser eh schon totenstillen und
menschenleeren Wüste...
Eine halbe Stunde lang weinte sie
einfach nur, bis ihre Tränen versiegt waren. Eine weitere halbe
Stunde schluchzte sie, ohne dass Tränen ihre Augen verließen. Eine
dritte halbe Stunde lag sie stumm da, in sich zusammengefallen und
schwach.
Dann sprang sie unvermittelt auf und
rannte zu dem Sarg zurück. Sie begann unermüdlich im Sand zu
graben, kümmerte sich nicht darum, dass der heiße Sand ihre Finger
verbrannte oder dass die Splitter des Kristalls ihre Haut
aufschnitten. Ihr warmes Blut tropfte zu Boden und färbte den Sand
für einen Augenblick rot, bevor es versickerte. Dann, endlich, hatte
sie gefunden, was sie gesucht hatte.
Ihre Schlüssel.
Doch es war so gekommen, wie sie es
befürchtet hatte. Ihre Schlüssel waren zerbrochen... selbst ihre
Geister hatten sie verlassen. Sie ging einen Schlüssel nach dem
anderen durch.
Aquarius, Cancer, Virgo, Sagittarius,
Taurus, Scorpio, Aries, Gemini, Capricorn.
Mit jedem Schlüssel, den sie in die
Hand nahm, sah sie das lächelnde Gesicht des Geistes vor ihrem
inneren Auge. Und jedes Mal, wenn sie den Schlüssel zur Seite legte,
fühlte sie einen stechenden Schmerz in der Brust, als würde ihr
Freund gerade erneut vor ihren Augen sterben.
Crux. Lyra. Horologium. Pyxis. Sogar
Plue...
Nur ein Schlüssel war noch unversehrt.
Leo.
Lucys Augen weiteten sich und sie
drückte den Schlüssel an ihre Brust, umklammerte ihn so fest, dass
sich das Metall in ihre Haut drückte und schmerzende Abdrücke
hinterließ. Doch das war ihr jetzt egal. Sie hatte noch einen Freund
an ihrer Seite! Sie hatte Loke gefunden!
Von dieser Offenbarung gestärkt stand
sie auf, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und hielt den
Schlüssel vor sich.
„Tor des Löwen, öffne dich! Loke!“
Der Schlüssel leuchtete auf und Lucy
glaubte schon, Loke erkennen zu können... doch das Licht war wieder
verschwunden, ohne dass es etwas geschehen ist.
„Das kann nicht sein...“, murmelte
Lucy schockiert.
„Tor des Löwen, öffne dich! Loke!“
Wieder ein helles Licht, das wieder so
schnell verschwunden war, wie es erschienen war. Lucy brach erneut
auf die Knie zusammen, merkte dabei gar nichts von der Hitze, die
ihre nackte Haut an den Beinen verbrannte.
„Öffne dich! Loke!!“ Licht.
Nichts. „Öffne dich, verdammt noch mal!“ Licht. Nichts. „Loke,
bitte! Bitte komm her!“ Licht... und nichts.
Lucy hätte geweint, wenn ihr Körper
es ihr erlaubt hätte. Aber so blickte sie einfach mit leeren,
seelenlosen Augen auf den Schlüssel in ihren Händen und konnte
nicht glauben, dass ihre letzte Hoffnung nun auch noch verschwunden
war. Jetzt war sie wirklich allein...
In diesem Moment schoben sich dunkle
Wolken vor die Sonne und verdunkelten die gesamte Umgebung. Ein
lautes Grollen ertönte, Sand begann zu rasseln und Lucy hob langsam
ihren Kopf an.
Aus dem Sand stieg eine vertraute
Gestalt empor. Zuerst konnte sie nur einen Kopf sehen, der von einem
beeindruckenden Bart verziert wurde, dann einen Körper und zum
Schluss die Beine. Und doch... der König der Stellargeister, der
sich da vor ihr aus dem Sand erhob, sah nicht so aus, wie sie ihn in
Erinnerung hatte. Er war alt geworden, noch sehr viel älter, als er
eh schon war. Und er wirkte schwach, konnte sich kaum auf den Beinen
halten. Sein massives Schwert hatte er eingetauscht gegen einen
Gehstock, auf dem er sich nun aufstützte und zu Lucy hinunter
beugte.
„Alter Freund... ich hätte nie
gedacht, dass wir uns noch einmal in dieser Welt wiedersehen werden.“
Lucys Augen weiteten sich, dann hatte
sie sich wieder gefasst. „Bart-Opa! Nein, König der
Stellargeister! Was ist passiert? Warum siehst du so schwach aus? Und
was...“ Sie traute sich kaum, die Worte in den Mund zu nehmen, weil
sie damit endgültig Realität werden würden: „Was ist mit mir und
meinen Freunden passiert?“
Der König der Stellargeister fuhr sich
mit seiner freien Hand über den Bart, dann setzte er sich vor Lucy
hin. Er war immer noch deutlich größer als sie, aber so konnte er
den Abstand zwischen ihnen ein wenig verringern.
„Alter Freund... Du hast in einem
schrecklichen Kampf deine Freunde verloren. Sie haben sich geopfert,
um einen Feind zu besiegen, der unbesiegbar ist.“
Er machte eine ausschweifende Bewegung
und deutete auf die weite Wüste um sie herum.
„Was du hier siehst, das war einst
die Stadt, die du deine Heimat nanntest. Diese Wüste war früher die
Stadt Magnolia.“
„Unmöglich...“, flüsterte Lucy
mehr zu sich selbst als zu ihrem Gegenüber. „Das muss eine Lüge
sein... das hier... ist Magnolia...?“
Sie wagte es nicht, sich umzusehen. Es
war unmöglich, aber ihr Kopf würde ihr dennoch einreden, dass sie
Dinge sehen, Dinge wiedererkennen würde. Sie würde glauben, diese
Düne dort hinten ähnele ihrer Wohnung, dieser Streifen Sand dem
Kanal, der durch Magnolia geführt hatte, die Ruine in der Entfernung
dem Gildengebäude, in dem sie so viele schöne Stunden verbracht
hatte...
„Einer deiner Kameraden hat meine
alten Freunde darum gebeten, dich zu beschützen. Er hätte den
Anblick nicht ertragen, dich sterben zu sehen, alter Freund.“
Jetzt wurde es Lucy alles klar.
Natsu... die Bilder, die in ihrem Kopf aufflackerten, schmerzten. Sie
griff sich an den Kopf und schüttelte sich unwillkürlich. Er hatte
sie angelächelt... voller Schmerz und Reue... weil er wusste, dass
er sie zu diesem Schicksal verdammen würde. Und ihre Geister hatten
sich für sie geopfert, um den Kristall zu erschaffen, der sie vor
der Feuersbrunst geschützt hatte...
„Aber!“, fuhr es aus ihr heraus,
als ihr etwas klar wurde. Sie sah den König der Stellargeister
bestimmt an und hielt Lokes Schlüssel empor. „Was ist mit Loke?
Sein Schlüssel ist noch ganz, also warum kann ich ihn nicht rufen?“
Der König senkte den Kopf und stieß
einen tiefen Seufzer aus. „Leo, mein alter Freund, hat am längsten
durchgehalten. Er hat dich beschützt bis zum heutigen Tag, wo auch
seine Kraft aufgebraucht war. Und dennoch hat er mich mit letzter
Kraft gebeten, dir zu erscheinen, wenn du ihn rufen solltest...“
Die Stimme des Königs brach und Lucy
konnte nicht glauben, dass sie diesen mächtigen Mann, diesen
mächtigsten aller Stellargeister, nun so vor sich sah. Ein
gebrochener, alter Mann, der nicht nur seine Freunde, nein, seine
gesamte Familie verloren hatte.
„Du musst wissen, alter Freund...“,
fuhr er leise fort, „ohne die Magier, die uns beschwören,
verlieren auch wir unsere Kraft. Und ohne Magier verlor ich einen
alten Freund nach dem anderen. Mit dem heutigen Tag bin ich der
letzte, der übrig geblieben ist. Und wahrscheinlich werde ich nicht
mehr lange durchhalten... sieh mich nur an, alter Freund.“
Lucy sprang auf und rannte auf ihn zu,
umarmte seine Fußspitze, denn mehr von ihm konnte sie nicht zu
fassen kriegen.
„Bart-Opa... es tut mir so leid... es
tut mir so, so leid...“, schluchzte sie und vergoss die letzten
Tränen, die ihr Körper hergeben konnte. Es fühlte sich heiß auf
ihren Wangen an, als würde Blut hinunterfließen, und genau so
fühlte sie sich auch. Als würde sie blutige Tränen vergießen, für
all die Freunde, die sie verloren hatte...
„Weine nicht, alter Freund. Man hat
dir diese Chance gegeben, weil du überleben solltest. Wir werden
nicht mehr bei dir sein können, aber das Licht in deinem Herzen wird
nie erlischen.“
Langsam begann der König der
Stellargeister sich aufzulösen. Lucy klammerte sich krampfhaft an
seinem Fuß fest, doch es half nichts. Er verschwand in einem
Funkenregen und ließ Lucy mit folgenden Worten zurück: „Jetzt...
bist du alles, was von der alten Zeit übrig bleibt, alter Freund. Du
bist nun ein einsamer Stern...“
Mit diesen Worten löste er sich
komplett in einen Regen aus Licht auf und ließ Lucy erneut in
kompletter Einsamkeit zurück. Diese war auf der Stelle, an der sie
seinen Fuß festgeklammert hatte, zusammengebrochen und griff nun
immer wieder nach Sand, ballte Fäuste und sperrte ihn darin ein, nur
um ihn immer wieder frei zu lassen.
Frei... wie gerne wäre sie auch frei.
Wie gerne wäre sie nun bei ihren Freunden... aber sie durfte nicht
aufgeben. Auch in dieser Situation, wo doch alles verloren schien,
gab es doch noch Hoffnung. Oder nicht? Es musste sie geben...
„Du hattest recht, Natsu...“,
dachte sie sich, „es ist wirklich gar nichts Romantisches daran,
aus einem gläsernen Sarg zu erwachen...
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Einige Wochen später hatte Lucy nach endlos scheinenden Tagen und noch längeren Nächten eine Stadt erreicht. Die Menschen dort hatten sie zuerst für einen Banditen gehalten, so, wie sie sich in einen Umhang gehüllt und ihr Gesicht verschleiert hatte. Doch dann hatte man sie freundlich aufgenommen, ihr ein Bett und eine Bleibe angeboten, bis sie Arbeit gefunden hatte.
Einige Wochen später hatte Lucy nach endlos scheinenden Tagen und noch längeren Nächten eine Stadt erreicht. Die Menschen dort hatten sie zuerst für einen Banditen gehalten, so, wie sie sich in einen Umhang gehüllt und ihr Gesicht verschleiert hatte. Doch dann hatte man sie freundlich aufgenommen, ihr ein Bett und eine Bleibe angeboten, bis sie Arbeit gefunden hatte.
Heute war sie nun unterwegs, um sich
Arbeit zu suchen. Gilden gab es in dieser Zeit keine, die wenigen
Magier, die es gab, mussten sich den Umgang mit ihrer Magie selbst
beibringen. Aber sie halfen einander, halfen den Menschen ohne Magie
und gemeinsam führten sie ein einfaches, aber glückliches Leben.
Gerade, als Lucy sich auf den Weg
gemacht hatte, rannte ein kleiner Junge in sie hinein. Er
entschuldigte sich sofort und grinste sie schelmisch an, wobei er
eine Hand hinter den Kopf legte und sich die kirschblütenfarbenen
Haare zerzauste.
„Natsu...“ war alles, was Lucy
sagen konnte, als sie dieses Kind sah. Der sah sie verwirrt an,
fragte, ob Lucy sich bei dem Zusammenstoß etwas getan hatte. Doch
als Lucy sich wieder gefangen hatte, schüttelte sie vehement den
Kopf und lächelte ihn sanft an.
„Sag mal, Kleiner...“, begann sie,
„Beherrscht du zufällig Magie?“
Der Junge nickte euphorisch und schlug
mit der Faust in seine flache Hand, worauf ein kleiner Funke
entstand. „Es ist nichts Tolles... aber ich kann Feuer machen! Man
könnte sagen, dass ich total Feuer und Flamme bin, hehe!“
Lucy stiegen bei diesem Anblick Tränen
in die Augen und sie musste sich die Hand vor den Mund halten, um
nicht zu schluchzen. Der Junge bemerkte dabei sofort das Symbol auf
ihrer Hand und sah sie mit großen, fragenden Augen an.
„Was ist das denn? Ist das ein
Tattoo? Was stellt es dar?“, fragte er und es schien, als wäre
sein Wissensdurst unzähmbar.
Lucy betrachtete das Symbol auf ihrer
Hand nun selbst, wischte sich die Tränen ab und lächelte wieder.
„Weißt du...“, sie hielt die Hand
in den Himmel, betrachtete das Symbol noch einmal, während die
warmen Strahlen der Sonne ihre Hand wärmten, „ich denke, das hier
ist ein Symbol, das bald jeder, der so ist wie du, kennen wird.“
Mit diesen Worten legte sie dem Jungen
eine Hand auf die Schulter und führte ihn zu einer Bank im Schatten,
wo sie begann, eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die
wahrer nicht sein konnte und zu der sie früher einmal vorgehabt
hatte, ein Buch zu schreiben.
Die Geschichte von Fairy Tail.
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Der Kontinent Fiore.
Der Kontinent Fiore.
Wir schreiben das Jahr X403.
403 Jahre nach Neubeginn der
Zeitberechnung nach dem, was die Menschen „Den letzten Großen
Krieg der Magier“ nennen.
In dieser Zeit herrscht Frieden. Und
eine Frau, die nicht in diese Welt gehört, ist nun dabei, sich hier
ihren Platz zu suchen. Denn jede Zeit sollte das Andenken an die
wahren, die diesen Frieden mit einem viel zu großen Opfer ermöglicht
haben.
Jede Zeit sollte ein Fairy Tail haben.

Ich glaube... ich habe dir ja schon mein ganzes Herz ausgeschüttet was diesen OS zu meinem OS angeht. Und White hätte den Rest nicht besser in Worte fassen können.
AntwortenLöschenIch bedanke mich hier also nochmal sehr bei dir! *heul*
Nein, ICH bedanke mich bei DIR, denn deine Story hat mir ja überhaupt erst die Grundlage und Inspiration gegeben, um diesen OS zu schreiben! Also vielen, vielen Dank, dass du immer so tolle, inspirierende Geschichten schreibst, die meine Muse zu wahren Kussorgien (ohoho!) anregen! *verbeug*
LöschenVielen Dank für diese lieben, netten, aufbauenden Worte! Ich wollte dich ja erst wirklich gar nicht darum bitten, die Story zu lesen, weil ich ja damit auch niemandem den Tag versauen will, aber dafür hat mich deine Meinung als Leserin dann doch zu sehr interessiert >///<
AntwortenLöschenFreut mich also sehr, wenn zumindest das Ende dir dann noch ein kleines Lächeln beschert hat und es bei zwei LKW-Ladungen mit Taschentüchern bleiben konnte! =P